Außerschulische Bildung 1/2026

Adultismus und Generationengerechtigkeit

Herausforderungen für die politische Bildung

Der Begriff Adultismus bezeichnet die Herabsetzung von Kindern durch Erwachsene aufgrund ihres Alters. Er basiert auf der ungleichen Macht und dem Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern. Adultistische Praktiken können sich auf individuelle Kinder, auf Gruppen von Kindern oder auf jüngere und zukünftige Generationen beziehen. Im letzten Fall wird von generationaler Diskriminierung oder fehlender Generationengerechtigkeit gesprochen. Im Beitrag wird dargelegt, wie politische Bildung dazu beitragen kann, Erwachsene und junge Menschen für adultistisches Verhalten und generationale Diskriminierung zu sensibilisieren und ihnen entgegenzuwirken. von Manfred Liebel und Philip Meade

Adultismus erkennen

Auch mit den besten Absichten erwachsener politischer Bildner*innen ist „gut gemeint“ nicht immer „gut gemacht“. Möglicherweise deswegen, weil junge Menschen nicht an der Konzeption eines Projektes beteiligt waren; weil Erwachsene zu viel oder über die Köpfe der jungen Menschen hinweg reden; weil die Älteren meinen, durch ihre längere Erfahrung mehr als die Jüngeren zu wissen; weil sich junge Menschen im Projekt (aus unterschiedlichen Gründen) unsicher fühlen und sich nicht trauen, ihre Meinung zu äußern; weil Erwachsene – gerade im verpflichtenden Schulkontext – den Teilnehmenden keine Möglichkeiten bieten, sich einer unangenehmen Situation zu entziehen; weil junge Menschen keine Ressourcen oder Budgets zur Verfügung gestellt bekommen, um echte Veränderungen zu bewirken; oder einfach, weil sie sich in ihrer Individualität nicht willkommen und gesehen fühlen. Das Lehrgeld, das die politischen Bildner*innen dafür bezahlen müssen, kann eine lustlose Teilnahme, Widerstand gegenüber Methoden oder generelles Desinteresse seitens der Teilnehmenden sein. Oft werden in der darauffolgenden Evaluation die jungen Menschen selber als das Problem gesehen, ihnen wird „(Politik-)Verdrossenheit“ vorgeworfen oder es werden bestenfalls einzelne Punkte herausgearbeitet, die zu verbessern sind. Selten wird jedoch das gesamtgesellschaftliche Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern in Betracht gezogen, das sich selbstverständlich auch auf politische Bildung mit jungen Menschen auswirkt. Wir finden die Auseinandersetzung mit diesem Thema, das wir mit dem Begriff „Adultismus“ umfassen, jedoch äußerst hilfreich, um ein tieferes Verständnis von Dynamiken zu erlangen, die überall lauern und selten für sich erklärt werden können. Im besten Fall kommt diese (Selbst-)Reflexion der eigenen Position und Privilegien politischer Bildner*innen einem erweiterten Rollenverständnis – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder – zugute. Auch wenn niemand ein gesellschaftliches Strukturprinzip alleine verändern kann, kann jede*r doch Stellschrauben suchen und an diesen drehen.

Wie verstehen wir Adultismus?