Außerschulische Bildung 3/2025

„Aufwachsen gemeinsam, aber politisch verschieden?“

Ergebnisse aus AID:A 2023 zum Vertrauen in Politik von Geschwistern

Dass die Familie eine zentrale Rolle in der politischen Sozialisation spielt, ist gut belegt. Weniger bekannt ist jedoch, welche Familienmitglieder welche Relevanz haben und wie ähnlich oder unterschiedlich sich Geschwister innerhalb des gleichen Haushalts sind. Auf Basis des bundesweiten Surveys „Aufwachsen in Deutschland:Alltagswelten“ (AID:A) betrachtet der Beitrag, wie das Vertrauen in politische Institutionen unter jungen Menschen ausgeprägt ist, wie stark es zwischen Geschwistern variiert und womit das zusammenhängt. Dabei wird klar, dass die Familie durch geteilte Lebenslagen und Gespräche über Politik zwar stark prägt, jedoch nicht sie allein. von Inga Simm, Susanne Kuger und Ina Weigelt

Vertrauen in politische Institutionen überwiegend positiv

Das Vertrauen in politische Institutionen gilt als zentrale politische Einstellung, da es darüber entscheidet, ob wir Entscheidungen und Regeln politischer Einrichtungen akzeptieren und ihnen folgen oder sie als unfair und übergriffig erleben. Langfristig bildet das Vertrauen in politische Institutionen die Legitimierung dafür, dass ich demokratische Entscheidungen mittrage, und entscheidet, ob ich mich an politischen Prozessen beteilige. Wächst das Misstrauen gegenüber den Institutionen des Staates – nicht nur unter jungen Menschen –, kann dies zu einem Rückgang politischer Beteiligung und zu einem weiteren Verfall demokratischer Werte führen und damit die Demokratie als Staatsform gefährden.

Große repräsentative Jugendstudien zeigen zwar, dass Jugendliche überwiegend Vertrauen in den Staat und die Gesellschaft haben, jedoch scheint dieses politische Vertrauen unter jungen Menschen in Europa tendenziell zurückzugehen (vgl. Bottasso/Cerruti/Conti 2022). Grundsätzlich sind – im Vergleich zu Erwachsenen – politische Einstellungen in der Jugendphase noch durch mehr Wandel und Offenheit geprägt (vgl. Holmberg/Lindberg/Svensson 2017). Zudem entwickeln sie sich meist über den gesamten Lebenslauf hinweg, wobei Kindheit und Jugend als besonders prägend für die politische Identitätsbildung gelten (vgl. Osborne/Sears/Valentino 2011). Hier werden entscheidende Weichen dafür gestellt, wie viel Vertrauen Erwachsene später in politische Institutionen haben.