Mögliche pädagogische Antworten auf affektive Politiken
Seit einigen Jahren lässt sich weltweit ein Aufstieg der extremen Rechten beobachten und spätestens seitdem auch in Deutschland mit der AfD eine rechtsextreme Partei im Bundestag sitzt, sind rechtsextreme Positionen auch in Deutschland wieder unübersehbar, hör-, spür- und fühlbar. Während wir diesen Artikel schreiben (Juli 2026), hat die AfD laut der Sonntagsfrage den höchsten Stimmenanteil (28 %) aller Parteien in Deutschland und sie kann berechtigt darauf hoffen, im Rahmen der nächsten Wahl – wenn auch nicht über alle – dann doch über einige machtvolle Ministerien verfügen zu können. Die Parteien der sogenannten Mitte haben dem bisher nichts entgegenzusetzen. Stattdessen bewegen sie sich selbst immer weiter nach rechtsaußen, sodass die Grenzen zwischen Demokratie erhaltenden und Demokratie zersetzenden Parteien immer mehr verschwimmen (vgl. Semsrott 2024).
Folgen wir der Einschätzung Antonio Gramscis sind Herrschaftsverhältnisse immer auch pädagogische Verhältnisse (vgl. Gramsci 2012, S. 80). Lern- und Bildungsräume, denen es ein Anliegen ist, demokratische Werte zu schützen, wären demnach in der Verantwortung, bewusst in die aktuellen Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu intervenieren. Hier sind Ansätze der dekolonialen Bildung, die insbesondere die Perspektiven marginalisierter Bevölkerungsgruppen klar im Blick haben, besonders weiterführend. Sie werden in der außerschulischen politischen Bildung auch bereits an einigen Stellen rezipiert (vgl. etwa Kleinschmidt 2021; DVPB 2023). Die Analyse und Dekonstruktion hegemonialer Wissensordnungen, die im Zentrum dekolonialer pädagogischer Ansätze stehen, reichen angesichts der massiven Affektsteuerung durch die extreme Rechte aus unserer Sicht jedoch nicht mehr aus, da autoritäre Mobilisierung nicht durch fachliche und argumentative Überzeugungsarbeit, sondern wesentlich über affektive Dynamiken erfolgt. Wir schlagen daher vor, affektive Pädagogiken, die als Antwort auf autoritäre Entwicklungen aktuell bisher insbesondere im Kontext von Klimabildung diskutiert werden (vgl. etwa Bryan 2020), konsequent mit Ansätzen dekolonialer Bildung zu verknüpfen. Dabei stellt dieser Beitrag eine Einführung in unsere Überlegungen und eine erste Annäherung dar. Wir beginnen zunächst mit der Darstellung der Idee von post- und dekolonialer Bildung, gehen dann auf affektive Pädagogiken ein und führen beides dann im dritten Abschnitt zusammen, um Möglichkeiten solidarischer Verbindung und politischer Mobilisierung gegenüber autoritären Affektpolitiken zu diskutieren.