Wie Misstrauen Gesellschaften verändert – und was politische Bildung dem entgegensetzen kann
Vertrauen ist nicht nur für zwischenmenschliche Beziehungen unverzichtbar – es ist auch der Kitt, der demokratische Gesellschaften zusammenhält. Es verbindet Bürger*innen mit politischen Institutionen, schafft Akzeptanz für Verfahren und Entscheidungen und trägt dazu bei, dass Gesetze nicht nur als rechtlich gültig, sondern auch als gerecht und verbindlich wahrgenommen werden. So ermöglicht Vertrauen Kompromissfähigkeit und Kooperationsbereitschaft im gesellschaftlichen Miteinander.
Umso besorgniserregender ist es, dass politisches Vertrauen in den letzten Jahren deutlich gesunken ist. Eine repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung aus dem Jahr 2024 ergab, dass 51 % der Befragten ein geringes oder gar kein Vertrauen mehr in die demokratischen Institutionen in Deutschland haben. Dieser Vertrauensverlust ist keine abstrakte Krise – er hat konkrete Folgen für das demokratische Zusammenleben: Misstrauen begünstigt Rückzug aus politischen Prozessen, fördert die Anfälligkeit für populistische Narrative und öffnet Tür und Tor für verschwörungsideologische Weltbilder.
Beispiele für Ereignisse, die den Verlust politischen Vertrauens befeuern, finden sich in Deutschland reichlich. Während der Corona-Pandemie sorgte die sogenannte Maskenaffäre für große Empörung. Einzelne Bundestagsabgeordnete hatten sich dabei persönlich bereichert und so das Vertrauen vieler Menschen in die politische Integrität erschüttert. In der Finanzpolitik erodiert Vertrauen, wenn führende Politiker wie Olaf Scholz im Zusammenhang mit dem Cum-Ex-Skandal Erinnerungslücken geltend machen, ohne dass eine konsequente Aufklärung erfolgt. Und auch die jüngsten Entscheidungen der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, entgegen zentraler Wahlversprechen die Schuldenbremse auszusetzen und die Stromsteuer nicht auch für Privathaushalte zu senken, wird gemeinhin als „Wortbruch“ erlebt – mit maßgeblichen Konsequenzen für das Vertrauen der Bürger*innen in die politischen Akteur*innen.