Für eine kritische Demokratiebildung in der politischen Bildung
Demokratiebildung und politische Bildung: Eine On-Off-Beziehung
Demokratiebildung ist Teil von politischer Bildung, aber politische Bildung ist mehr als nur das. Das ist nicht unbedingt der Stand der Forschung, sondern unsere Schlussfolgerung aus der nicht enden wollenden Debatte, die im Feld bereits seit der Kontroverse zwischen Theodor Litt und Theodor Wilhelm (Pseudonym: Friedrich Oetinger) geführt wird (vgl. etwa Eis/Lösch 2018, S. 505 f.). Für manche nahezu unvereinbar (vgl. etwa Widmaier 2018), haben sich die Autor*innen des 16. Kinder- und Jugendberichts sogar entschlossen, die beiden Begriffe synonym zu nutzen. Es erscheint uns insofern zielführend, zunächst einen Blick auf das Konzept der Demokratiebildung zu werfen, um dann aus unserer Praxis heraus zu begründen, inwiefern und wie diese ein Teil und ein wichtiges Ziel von politischer Bildung ist.
Demokratiebildung wird gerade aus einer sozialpädagogischen Perspektive heraus als eigenständiges Konzept betrachtet (vgl. Butterer et al. 2024, S. 109). Grundlegende Idee dabei ist, dass Demokratie nicht über eine reine Wissensvermittlung erlernt werden kann, sondern durch „demokratische Praxis“ erfahren werden muss (vgl. Sturzenhecker 2020, S. 1263). In Anlehnung an John Dewey wird in diesem Ansatz davon ausgegangen, dass demokratische Prozesse in den lebensweltlichen Institutionen der Lernenden stattfinden müssen. Ein klassisches Beispiel hierfür sind die Schüler*innen-Vertretungen (SV) an deutschen Schulen. Indem partizipative Strukturen in Institutionen verankert werden, wird demokratische Mitbestimmung und Teilhabe für die involvierten Kinder und Jugendlichen erfahrbar. Der Ansatz dockt so lebensweltlich an den Themenfeldern, die die Beteiligten betreffen, an und sorgt im besten Fall für eine positive Selbstwirksamkeitserfahrung. Hierbei wird vorausgesetzt, dass Partizipation nicht erlernt werden muss, sondern Mündigkeit im Sinne von Habermas’ Theorie vom kommunikativen Handeln im Subjekt bereits vorliegt (vgl. Butterer et al. 2024, S. 109).