Außerschulische Bildung 3/2025

Demokratieerfahrung und das Vertrauen in Institutionen

Untersuchungen zeigen, dass Vertrauen aus Lernprozessen resultiert

Positive Erfahrungen im Bereich politischer Bildung und in demokratischen Erfahrungsräumen überhaupt können helfen, Vertrauen aufzubauen. In diesem Beitrag wird argumentiert und anhand eigener Untersuchungen veranschaulicht, dass Vertrauen in politische Institutionen aus Lernprozessen resultiert. Diese Erkenntnisse und entsprechenden empirischen Zusammenhänge werden auf die politische Bildungsarbeit bezogen. von Johannes Kiess

Vertrauen ist eine „elementare Voraussetzung sozialer Prozesse“ (Endreß 2002, S. 9). Und gleichzeitig ist Vertrauen „empirisch schwer zugänglich“ (ebd., S. 53), denn es handelt sich vor allem um eine praktische Einstellung (vgl. Hartmann 2011). Mehr noch: Während Vertrauen die Voraussetzung (ex-ante) für soziales – also im Zusammenhang mit Anderen stehendes – Handeln ist, zeigt sich Vertrauen erst in der Handlung selbst bzw. im Rückblick auf sie (ex-post). Im Fall des gelingenden Handelns wird Vertrauen durch (wiederholte) Erfahrung schrittweise aufgebaut. Vertrauen ist nicht nur für individuelle Beziehungen zentral, sondern auch für das Gelingen gesellschaftlichen Zusammenlebens unabdingbar. Dabei geht es zum einen um politisches und insofern vertikales Vertrauen der Bürger*innen in Institutionen und die Einigungsfähigkeit und Verantwortlichkeit von Politiker*innen. Zum anderen ist für das demokratische Miteinander aber auch das soziale, horizontale Vertrauen zwischen den Bürger*innen wichtig. Fehlendes Vertrauen hingegen erfordert Kontrolle und diese muss man sich leisten können (vgl. Offe 1999, S. 54; Sztompka 1996). Zudem schränken die so verbrauchten Ressourcen den eigenen Handlungsspielraum ein.

Eine weitere Bedeutung hat in Demokratien allerdings auch die Abwesenheit von Vertrauen. Hier ist Misstrauen sogar institutionalisiert, nämlich in Form von Gewaltenteilung, Verantwortlichkeit (und Abwählbarkeit) der Regierung sowie der Kontrolle politischer Akteure durch die Öffentlichkeit oder auch spezielle Gremien. Dieses institutionalisierte Misstrauen wirkt wiederum vertrauensbildend. Denn die Existenz bestimmter Kontrollmechanismen kann den Glauben daran stärken, dass Fehlverhalten nicht unentdeckt bleibt. Das institutionalisierte Misstrauen in konkrete Akteure dient dem Systemvertrauen. So nötig Vertrauen ist, so fragil bleibt es trotz institutioneller Vorkehrungen. Denn schon ein einzelner Vertrauensbruch, etwa ein schwerer Fall von Korruption, kann das aufgebaute Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigen (vgl. Luhmann 1973, S. 30).

Im Folgenden argumentiere ich, dass (positive) Erfahrungen im Bereich politischer Bildung und generell demokratische Erfahrungsräume helfen können, Vertrauen aufzubauen. Dabei orientiere ich mich an John Deweys Diktum von der Demokratie als Lebensform sowie an der interaktionistischen Sozialisationstheorie (vgl. Mead 1934; Nohl 2022) und argumentiere, dass Vertrauen in politische Institutionen aus Lernprozessen resultiert. Anhand eigener Untersuchungen (vgl. Kiess 2022; 2024) veranschauliche ich entsprechende empirische Zusammenhänge. Abschließend resümiere ich zentrale Aspekte meines Beitrags für die politische Bildungsarbeit.