Der Generationenkonflikt – ein konstruiertes Problem
Warum Altersgruppen und Geburtskohorten nicht die wahren Ursachen für soziale Spannungen sind
„Die Alten gegen die Jungen“ – dieses Narrativ prägt seit Jahrzehnten die Debatte um Rente, Klimakrise und soziale Gerechtigkeit. Seit Jahren wird der Generationenkonflikt als Ursache für soziale Ungleichheit und politische Spannungen beschworen. Doch diese Debatte lenkt nur ab. Nicht Altersgruppen oder Geburtskohorten sind für Missstände verantwortlich, sondern ungleiche Vermögensverteilung, Machtgefälle und falsche politische Weichenstellungen. Pauschale Schuldzuweisungen an „Boomer“ oder „Rentner“ dienen oft als Ablenkungsmanöver. Warum die Gegenüberstellung von Alt und Jung in die Irre führt und welche Lösungen wirklich weiterhelfen, zeigt dieser Beitrag. von Harald Künemund und Claudia Vogel
Seit Jahrzehnten werden sozio-ökonomische Ungleichheiten als Generationenprobleme gedeutet: Wir stützen unsere Argumentation in weiten Teilen auf den Beitrag Vogel/Künemund 2023. Es werden Alt und Jung oder z. B. „Boomer“ und andere vermeintliche „Generationen“ gegeneinander aufgebracht, um Änderungen z. B. in den sozialen Sicherungssystemen, bei Altersgrenzen z. B. des Wahlrechts oder auch bei der Besteuerung von Vermögen und Erbschaften zu plausibilisieren. Dabei sind die auf den ersten Blick plausiblen Argumente bei genauerer Analyse aber nicht haltbar, z. B.:
Begriffe klären
Wir möchten an dieser Stelle zunächst einige missverständliche Begriffe präzisieren und vor diesem Hintergrund den genannten Argumenten widersprechen und ggf. kurz mögliche Alternativen benennen.