Außerschulische Bildung 1/2026

Generationengerechtigkeit im Kontext der Klimakrise

Wie nachhaltig ist die gegenwärtige Handlungsfreiheit?

Generationengerechtigkeit ist ein wichtiger Aspekt von Klimagerechtigkeit und geprägt von Machtasymmetrie. Nachhaltiges Handeln im Sinne des risikoethischen Vorsorgeprinzips wäre angebracht, aber ist in der Klimapolitik derzeit nicht ausreichend umgesetzt. Der Beitrag macht klar, dass es dabei um Abwägungsprozesse geht, die die Grundlagen freiheitlich-demokratischer Grundordnungen betreffen. Nicht zuletzt ist es die Aufgabe von politischer Bildung für nachhaltige Entwicklung, die jüngere Generation dabei zu unterstützen, sich in diese Prozesse einzubringen. von Christoph Herrler

„Wir sind nicht mehr die Letzte Generation“ – so lautete das titelgebende Zitat der Klimaaktivistin Carla Hinrichs im Interview mit dem Spiegel im Dezember 2024 (Schaible/Hinrichs 2024). Darin kündigte die Sprecherin der Gruppe Letzte Generation neben der Umbenennung einen weitreichenden Strategiewechsel an. In Österreich löste sich die Gruppe am 6. August 2024 auf. Anlässlich dieses Jahrestags stellt Hartberger (2025) im Standard die These auf, dass „der hauptsächliche Grund für die massive Ablehnung (der Letzen Generation), die ihr von breiten Teilen der Öffentlichkeit entgegengebracht wurde“, nicht die Aktionsformen des zivilen Widerstands gewesen seien, sondern das „Ansinnen der jungen Leute (…), dem Klimaschutz und dem Schutz des Lebens kommender Generationen unbedingten Vorrang vor allen anderen Interessen einzuräumen, namentlich vor jenen von Geld, Profit und einer irregeleiteten Vorstellung von Wohlstand“. Ist die überwiegend junge Letzte Generation, die laut eigenen Angaben den unumkehrbaren Klimakollaps unserer Gesellschaft noch aufhalten könnte, also gescheitert – und mit ihr ebendieses Vorhaben? Sind die basalen Interessen kommender Generationen vielen wirklich weniger wert als Profitstreben? Finale Antworten auf diese Fragen kann leider auch dieser Artikel nicht geben; was aber zumindest versucht werden soll, ist, den Zusammenhang von Klimakrise und Generationengerechtigkeit zu beleuchten.

In den Debatten über Klimagerechtigkeit wird diese häufig als globale Ungerechtigkeit diskutiert. Angeprangert wird dabei das ungleiche (oder eben als ungerecht verstandene) Verhältnis von Verantwortung für die Klimakrise und der Gefährdung durch ihre Folgen. Während die Hauptverursachenden überwiegend reich und/oder im Globalen Norden zu verorten sind, wirken sich die negativen Folgen der Erderhitzung insbesondere auf arme, vulnerablere Menschen, die überwiegend im sogenannten Globalen Süden leben, aus. Zugespitzt formuliert: Die Bessergestellten leben auf Kosten der Schwachen – und das ist unfair. Diese globale Interpretation ist im Kern zutreffend; sie ist allerdings nicht die einzige Ebene von Klimagerechtigkeit. Auf die andere verweist folgendes Zitat: „Die schwächsten Betroffenen des Klimawandels sind jedoch die noch nicht Geborenen, also die zukünftigen Generationen, welche sich gerade nicht in den aktuellen Interessenskonflikt einschalten können – sei es durch demokratisches Stimmrecht, Konsumentscheidung oder vielfältige Formen des zivilen Widerstandes.“ (WBGU 2018, S. 6, H. i. O.)

Problembeschreibung: Generationenungleichheit und Nachhaltigkeit