Außerschulische Bildung 2/2026

„Immer ist irgendwas“

Demokratie in der Dauerkrise?

Immer nur Krise in der Demokratie? Der Beitrag beleuchtet, welche Phänomene die gegenwärtige Krise der Demokratie prägen. Im Fokus stehen dabei Deprivation, Populismus und die Idee des „Deliverism“ – also die Überzeugung, Politik müsse (nur) liefern. Neben der Krisendiagnose geht es zudem um die Frage, welche Rolle die Demokratiebildung einnehmen kann, um der Krise etwas entgegenzusetzen. von Julia Reuschenbach

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll angesichts all der vielfach beschriebenen Herausforderungen, denen sich die Demokratie gegenübersieht. Sinkendes Vertrauen in Institutionen, in die Funktionsweise und Verfahren der Demokratie, Elitenkritik an jeder Ecke. „Die da oben“ haben – so sehen es viele – seit Langem den Draht zu „denen da unten“ verloren. Social Media rollt mit Deepfakes, Algorithmen und Fake News längst als Welle fernab von der einst beschworenen Demokratisierung und Teilhabe durchs Land, KI ersetzt Menschen. Immer mehr Demokratien kippen in autoritäre Systeme, die Zahl der „echten Demokratien“ weltweit nimmt seit Jahren ab (vgl. Nord et al. 2026, S. 15). Dazwischen fährt die Bahn nicht, zumindest nicht pünktlich, Brücken und Straßen sind baufällig, Freibäder geschlossen, Kommunen hoch überschuldet, Menschen fühlen sich im öffentlichen Raum nicht sicher, progressive Kräfte wettern gegen den Kulturkampf der „Rechten“, die umgekehrt denselben Vorwurf an „links-grün-woke Kräfte“ adressieren. Dazwischen sitzen erstarkende populistische Kräfte und genießen beim sinnbildlichen Eimer Popcorn, wie sich ihre Erfolge – vermeintlich! – ohne große Mühe vergrößern. Und dann wäre da ja auch noch die Weltlage. Postings des US-Präsidenten, die die Märkte verrücktspielen lassen, Staatschefs, die das Völkerrecht für eine Ansammlung von Papier halten, die eher in Museumsvitrinen, denn in die aktuelle Politik gehört.

Die Lage scheint aussichtslos. Die Demokratie scheint von so vielen Seiten regelrecht unter Feuer, die empirischen Befunde scheinen vielfach so erdrückend, dass man sich einen Ausweg kaum ausmalen kann. Doch ist das alles immer gleich eine Krise für die oder der Demokratie? Müsste die Demokratie nicht in der Lage sein, so manchen Dingen aus der Aufzählung standhaft zu begegnen? Womöglich gar mit einer gewissen Gelassenheit? Merkt man, wenn eine Demokratie stirbt? (Vgl. Levitsky/Ziblatt 2018; Shen 2025) Und hat sich die Demokratiebildung damit ausreichend befasst? Einen Schwerpunkt der Demokratiebildung bildete bislang völlig zurecht die Befähigung zu politischer Teilhabe, Partizipation, Mündigkeit und politischer Urteilskraft. Spielte die Sensibilisierung für demokratische Erosionsprozesse dabei eine ausreichende Rolle, oder stand im Vordergrund in erster Linie die Idee, eben gerade durch das Genannte jene Erosionsprozesse zu vermeiden, ihnen vorzubeugen? Und wenn dem so ist, müssten wir daran angesichts des eingangs formulierten kursorischen Befundes etwas ändern?

Vitalwerte der Demokratie