Außerschulische Bildung 3/2026

Kolonialismus aufarbeiten

Ansätze des Verlernens in Bildung und Vermittlung im Humboldt Forum

Schüler*innen im Projekt „City Research” begaben sich 2024 auf eine Suche nach kolonialen Spuren in Berlin und in Dar es Salaam, setzten sich mit dem deutschen und europäischen Kolonialismus, insbesondere im heutigen Tansania, auseinander und hielten ihre Ergebnisse in Filmen fest, die in der Ausstellung „Geschichte(n) Tansanias” im Humboldt Forum gezeigt werden. Sie bemerkten: Spuren und Folgen des Kolonialismus sind im Stadtbild präsent, im Alltag wie in Museen und Ausstellungen. Der Artikel nimmt die Beobachtung zum Anlass, um Potenziale und Herausforderungen einer Auseinandersetzung mit Kolonialismus im Humboldt Forum zu reflektieren und beispielhaft Einblicke zu geben, wie Vermittlungsarbeit zur Aufarbeitung beitragen kann. von Kathrin Kollmeier und Jocelyne Stahl

Das Humboldt Forum: Kolonialität an einem umkämpften Ort

Am Humboldt Forum sind Kolonialismus und seine bis in die Gegenwart reichenden Kontinuitäten und Auswirkungen in besonderer Weise präsent. Nach einem Bundestagsbeschluss 2002 wurde das Gebäude 2013 bis 2020 gebaut, dann – während der Covid19-Pandemie – schrittweise eröffnet. In seiner Architektur zeigt es sich in wesentlichen Merkmalen in der Form des ehemaligen Berliner Schlosses der Hohenzollern, mit einer originalgetreuen Teilrekonstruktion der Barockfassaden. Die Rekonstruktion der Kuppel inklusive Kreuz auf der Laterne und Spruchband bezieht sich hingegen auf das Schloss im 19. Jahrhundert und ein antiliberales Gottesgnadentum (vgl. Hagemann 2020) – und steht damit für viele symbolisch für die preußische Monarchie sowie für imperiale und koloniale Bestrebungen im Kaiserreich. Selbst die namentliche Widmung für die Brüder Humboldt, deren Werke unter den Bedingungen des Kolonialzeitalters entstanden, ist nicht unschuldig.

Der Ort, an dem bis 1950 das Berliner Schloss stand und heute das Humboldt Forum steht, war in seiner 800-jährigen, facettenreichen Geschichte – vom mittelalterlichen Dominikanerkloster bis zum Schloss, später dem Palast der Republik der DDR und heute dem Humboldt Forum – stets ein Ort von Macht und Widerstand: Politischer Anspruch und gesellschaftliche Kritik stießen hier z. B. in den Revolutionen 1848, 1918 und 1989 aufeinander (vgl. Stiftung Humboldt Forum 2020, S. 9). Schon beim Bau des ersten Schlosses Mitte des 15. Jahrhunderts rebellierte die Bevölkerung gegen den entstehenden Herrschaftssitz im „Berliner Unwillen“ (ebd.). In den folgenden Jahrhunderten durchlief das Schloss viele Ausbauphasen entlang der politischen Entwicklungen des Kurfürstentums Brandenburg, des Königreiches Preußen und schließlich des Deutschen Kaiserreiches und verdeutlichte so die wachsende Bedeutung und den Expansionsdrang der Hohenzollern.