Außerschulische Bildung 3/2026

Kolonialismus und rassismuskritische Bildungspraxis

Each One Teach One (EOTO) e. V. im Kontext Schwarzer Bewegungsgeschichte in Deutschland

Die Anerkennung von Kolonialismus als ungerechtes System und die Integration von Rassismuskritik sind zentral für eine kritisch-emanzipatorische politische Bildung. Am Beispiel des Vereins Each One Teach One (EOTO) e. V. wird gezeigt, wie dekoloniale Praxen durch Methoden und Formate neue Wissensbestände schaffen – etwa in Projekten wie „Dekoloniale. Erinnerungskultur einer Stadt“ oder der „Black Empowerment Academy“. Die Autor*innen zeigen, wie sich dieser Anspruch in konkretes Handeln übersetzen lässt. von Each One Teach One e. V.

Die Anerkennung von Kolonialismus als ungerechtes Herrschaftssystem sowie die Inkorporation von Rassismuskritik in das Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft und der Institutionen ist unvermeidlich, wenn politische Bildung als kritisch-emanzipatorischer Prozess definiert wird. Politische Bildung im Sinne eines dekolonialen und machtkritischen Diskurses repräsentiert einen transformativen Ansatz, der Lernende befähigen soll koloniale Kontinuitäten, strukturelle Ungleichheiten und hegemoniale Wissensordnungen zu erkennen, zu hinterfragen und zu verändern. Ziel dabei soll sein, Gerechtigkeit im Kontext eines westlichen Bildungssystems anzustreben, hier vor allem epistemische Gleichwertigkeit. Aber wie kann dieser Anspruch in praktisches Handeln umgesetzt werden und welche Wissensbestände, Reflexionen, Formate und Akteur*innen braucht es für eine rassismuskritische politische Bildung?

Am Beispiel der Entstehung des Vereins Each One Teach One (EOTO) e. V., im Kontext Schwarzer Organisierung und Widerstandsbewegungen in Deutschland wird gezeigt, wie pädagogische Praxen der Dekolonisierung über verschiedene Methoden und Formate neue Wissensbestände kreieren, die neue Perspektiven auf die epistemischen Grundlagen von Wissenssystemen ermöglichen – eine Notwendigkeit, wenn politische Bildung konsequent antirassistisch und dekolonial ausgerichtet sein möchte.

Hierfür wird mit einer kurzen Begriffsgeschichte zum Prinzip „each one teach one“ begonnen, um die Arbeit des Vereins im Kontext dekolonialer Praxen der Wissensherstellung, Vermittlung und Kanonisierung zu verorten. Im Anschluss wird der Verein und seine Geschichte im Kontext Schwarzer Bewegungsgeschichte in Deutschland beschrieben. Abschließend werden zwei Projekte vorgestellt, die Praxisbeispiele zur Bearbeitung und Vermittlung von Kolonialismus und seinen Folgen darstellen und an denen EOTO beteiligt war: das Pilotprojekt Dekoloniale. Erinnerungskultur einer Stadt und das Projekt Black Empowerment Academy. Eine Fortbildungsreihe für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Trainer*innen. Auf diese Weise werden wichtige Impulse und Beiträge für transkulturelle Erzählungen im deutschen Bildungs- und Kulturdiskurs, die u. a. die Praxis von EOTO hervorbringt, für Akteur*innen in der politischen Bildung aufbereitet und als Praxis der Wissensvermittlung nachvollziehbar gemacht.