Was weiß die Wissenschaft über die Praxis nonformaler politischer Bildungsarbeit? Angesichts aktueller Debatten um Wirkungen und Qualitäten politischer Bildung erstaunlich wenig! Mit dem „Monitor Empirische Grundlagenforschung zur Praxis nonformaler politischer Bildung“ liefert die Fachstelle politische Bildung eine erste Bestandsaufnahme und Analyse der Situation empirischer Grundlagenforschung. Dirk Posenau, Helle Becker und Marcel Hansek zeigen, dass belastbare, wissenschaftlich gesicherte Beschreibungen und Analysen realer Praxis nonformaler politischer Bildung, ihrer Strukturen, Prozesse und Rahmenbedingungen und spezifischen Qualitäten fehlen. Diese werden jedoch dringend gebraucht: Empirisch gestütztes Wissen über die Praxis nonformaler politischer Bildung liefert entscheidende Einblicke, wie und unter welchen Bedingungen Gelegenheiten zur politischen Bildung in verschiedenen Kontexten geschaffen und umgesetzt werden (können). Solches Wissen liefert eine wesentliche Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten, vor allem für Untersuchungen ihrer Wirkungen und Evaluationen. Sie eröffnet differenzierte Perspektiven auf unterschiedliche Akteur*innen und Zielgruppen, unterstützt die Identifikation von Qualitätskriterien und erlaubt eine fundierte Einschätzung von Wirkmöglichkeiten sowie möglicher Einflussfaktoren. Zugleich kann empirische Grundlagenforschung über Bedürfnisse und Erwartungen von Akteur*innen und Teilnehmenden aufklären und damit zum Verständnis der Herausforderungen beitragen, denen die Praxis begegnet.
Für den vorliegenden Monitor wurde eine breit angelegte Literaturrecherche und -auswertung vorgenommen. Mit dem Ergebnis, dass „Empirische Grundlagenforschung“ zur nonformalen politischen Bildung bisher nur stark spezialisiert und punktuell vorliegt. Die Forschung ist oft nicht aufeinander bezogen. Untersuchungen zu den Perspektiven von Teilnehmenden, beobachtende Forschungsansätze sowie eine empirisch gestützte Definition des Feldes fehlen.