Außerschulische Bildung 4/2025

Politische Bildung in Ostdeutschland

Entwicklungen – Herausforderungen – gesellschaftliche Akzeptanz

Seit 1989 hat die politische Bildung in Ostdeutschland einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen: vom Zusammenbruch des DDR-Systems über den mühsamen Aufbau pluralistischer Strukturen bis hin zu aktuellen Auseinandersetzungen um Akzeptanz und Deutungshoheit. Der Beitrag zeigt, wie Landeszentralen, freie Träger und kulturelle Initiativen demokratische Lernräume geschaffen haben – und zugleich mit Skepsis, fragiler Finanzierung und Angriffen von rechts konfrontiert sind. Welche Lehren können aus den letzten 35 Jahren gezogen werden, um politische Bildung vor Ort zukunftsfähiger zu machen? von Thomas Krüger

Entwicklungen seit 1989 – Die Anfänge politischer Bildung in den ostdeutschen Bundesländern

Der Herbst 1989 markierte für Ostdeutschland einen bildungspolitischen Einschnitt von historischer Tragweite: Innerhalb weniger Wochen brach das gesamte, über Jahrzehnte verfestigte System der gelenkten, zentralistischen staatsbürgerlichen Erziehung zusammen. Mit dem Ende der SED-Herrschaft entstand ein Vakuum – es fehlten sowohl zeitgemäße Inhalte als auch tragfähige Strukturen, um demokratische Bildung zu vermitteln (vgl. Deutscher Bundestag 1998).

Auf der innerschulischen Ebene betraf dieser Bruch vor allem das Fach Staatsbürgerkunde. Dieses war monokulturell, staatsnah und ideologisch geprägt, kaum pluralistisch orientiert, und diente dazu, jungen Menschen ein monolithisches, auf die SED ausgerichtetes Weltbild einzuprägen. Pluralismus, kontroverse Diskussionen oder die Auseinandersetzung mit alternativen Staatsmodellen waren darin nicht vorgesehen. Die Herausforderung nach 1990 bestand darin, einen echten Politikunterricht zu entwickeln – mit neuen Curricula, pluralistischen Inhalten und einem demokratischen Bildungsverständnis, das auf kritisches Denken setzt, bei dem durch eine fundierte Wissensgrundlage gesellschaftlich kontrovers diskutierte Sachverhalte, frei von äußeren Zwängen, selbstständig beurteilt werden können.