Entwicklungen – Herausforderungen – gesellschaftliche Akzeptanz
Entwicklungen seit 1989 – Die Anfänge politischer Bildung in den ostdeutschen Bundesländern
Der Herbst 1989 markierte für Ostdeutschland einen bildungspolitischen Einschnitt von historischer Tragweite: Innerhalb weniger Wochen brach das gesamte, über Jahrzehnte verfestigte System der gelenkten, zentralistischen staatsbürgerlichen Erziehung zusammen. Mit dem Ende der SED-Herrschaft entstand ein Vakuum – es fehlten sowohl zeitgemäße Inhalte als auch tragfähige Strukturen, um demokratische Bildung zu vermitteln (vgl. Deutscher Bundestag 1998).
Auf der innerschulischen Ebene betraf dieser Bruch vor allem das Fach Staatsbürgerkunde. Dieses war monokulturell, staatsnah und ideologisch geprägt, kaum pluralistisch orientiert, und diente dazu, jungen Menschen ein monolithisches, auf die SED ausgerichtetes Weltbild einzuprägen. Pluralismus, kontroverse Diskussionen oder die Auseinandersetzung mit alternativen Staatsmodellen waren darin nicht vorgesehen. Die Herausforderung nach 1990 bestand darin, einen echten Politikunterricht zu entwickeln – mit neuen Curricula, pluralistischen Inhalten und einem demokratischen Bildungsverständnis, das auf kritisches Denken setzt, bei dem durch eine fundierte Wissensgrundlage gesellschaftlich kontrovers diskutierte Sachverhalte, frei von äußeren Zwängen, selbstständig beurteilt werden können.