Ein neues Handlungsfeld?
Wirtschaft und Politik
Mehr als zwei Drittel der deutschen Unternehmen sehen es mittlerweile als ihre Rolle oder die ihrer Interessensvertretungen an, sich aktiv jenseits von wirtschaftspolitischen Fragen zu positionieren (vgl. Bergmann/Diermeier 2025). Sie äußern Sorge um die Zukunft der liberalen, rechtsstaatlichen Demokratie, einige beziehen explizit parteipolitische Stellung. Mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland hat sich intern oder extern gegen die AfD positioniert (vgl. Bergmann/Diermeier/Schroeder 2024). Unternehmensnetzwerke setzen sich für Vielfalt und Demokratie ein (z. B. Charta der Vielfalt e. V.; Made in Germany – Made by Vielfalt; Business Council for Democracy, BC4D; Allianz der Chancen; Wir stehen für Werte). Mit den Wahlergebnissen steigt das Commitment. So wuchs die Anzahl der in der Initiative Made in Germany – Made by Vielfalt zusammengeschlossenen Familienunternehmen von ca. 40 auf über 155 an (Stand Mai 2025). Die Initiative wirbt seit 2019 mit Anzeigen und Plakatkampagnen sowie auf ihren Websites für Vielfalt und Demokratie und gegen Populismus.
Die politische Ökonomie begründet solch unternehmerisches Engagement mit der Interdependenz zwischen liberalen, demokratischen Staatsformen, gesellschaftlichem Klima und wirtschaftlichem Handeln, in letzter Zeit auch mit dem Fachkräftemangel (vgl. Münch et al. 2024; Institut der deutschen Wirtschaft 2021; Kropf 2022; Bohnen/Hennies 2022; Bergmann/Diermeier/Schroeder 2024).