Außerschulische Bildung 4/2025

Politische Lage nach der Wahl

Die AfD – Von der ostdeutschen Protestpartei zur gesamtdeutschen Herausforderung

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat 2025 ihr Wahlergebnis verdoppelt und ist vollends von einer vornehmlich ostdeutschen zu einer gesamtdeutschen Kraft geworden. Empirische Studien belegen: Die Übernahme von Narrativen der AfD durch etablierte Parteien schwächt diese nicht nachhaltig, sondern läuft Gefahr, Positionen des Rechtsaußenlagers gesellschaftlich zu enttabuisieren und zu normalisieren. 35 Jahre nach der Wiedervereinigung stehen Parteien und die repräsentative Demokratie vor einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung. von Werner Krause

Die Bundestagswahl 2025 hat mit Blick auf die Entwicklung der Wahlerfolge von Rechtsaußen Der Begriff „Rechtsaußen“ wird hier als Oberbegriff verwendet, der sowohl die „(populistische) radikale Rechte“ als auch die „extreme Rechte“ umfasst. Diese Verwendung trägt den zunehmend durchlässigen Grenzen zwischen illiberal-demokratischen und antidemokratischen kollektiven Akteuren Rechnung. Der Begriff erfasst alle ultranationalistischen Akteure, die eine gemeinsame ausgrenzende Weltanschauung teilen, jedoch unterschiedliche Beziehungen zu demokratischen Institutionen und Prozessen aufweisen. Angesichts zunehmender Verflechtungen zwischen gemäßigteren und extremeren Varianten des politischen Spektrums erweist sich diese begriffliche Präzisierung als analytisch sinnvoller als die strikte konzeptionelle Trennung (vgl. Mudde 2019; Pirro 2023). viele vorangegangene Trends bestätigt. Die AfD konnte ihr Zweitstimmenergebnis im Vergleich zur Wahl 2021 verdoppeln. Damit bestätigten sich nicht nur Entwicklungen, die sich in der Europawahl des Vorjahres und den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg abgezeichnet haben. Auch im westeuropäischen Vergleich stellen die Erfolge des Rechtsaußenlagers keine Ausnahme dar. Parteien wie Giorgia Melonis Fratelli d’Italia (2022), Geert Wilders‘ Partij voor de Vrijheid in den Niederlanden (2023) oder die Freiheitliche Partei Österreich (FPÖ, 2024) feierten historische Wahlerfolge.

Die AfD als gesamtdeutsche Kraft

Die AfD-Wahlergebnisse zeigen aber auch: Die Partei ist längst kein primär ostdeutsches Phänomen mehr. Zwar konnte sich die AfD insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern als dominierende Kraft weiter etablieren und die Mehrzahl der Wahlkreise sogar als stärkste Kraft für sich gewinnen – zugleich aber sind die größten Zugewinne der Partei in den westdeutschen Bundesländern zu verzeichnen. In 215 der 299 Wahlkreise konnte die AfD ihren Stimmenanteil mehr als verdoppeln – von diesen lagen lediglich fünf im Osten. Besonders stark legte die AfD dort zu, wo sie 2021 noch schwach war. In den „alten“ Bundesländern gelang ihr mindestens eine Verdopplung ihres Zweitstimmenergebnisses in mehr als 85 % der Wahlkreise.