Warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind
„Not ist hierarchisch, Smog ist demokratisch“ – plakativ, gut klingend und so falsch ist dieser Satz aus Ulrich Becks Soziologieklassiker Risikogesellschaft (1986). Denn natürlich kann ich mit dem nötigen Kleingeld dort leben, wo die Luft weniger verschmutzt ist. Das Gleiche gilt für Hochwasser- und Dürregefahr, Lebensmittelknappheit und Pandemien: Apokalypse ist hierarchisch!
Das wissen auch die Tech-Milliardäre, denen Douglas Rushkoff, Medientheoretiker aus NY, ehemaliger Cyberpunk und Erfinder der Begriffe „social media“ und „viral“, zu Beginn seines Buches begegnet. Sie haben ihn in ein Luxusressort in der Wüste eingeladen, um über Zukunftstechnologien und -investments zu sprechen. Am Ende soll Rushkoff ihre Strategien für den Fall der Fälle, sie sprechen von „dem Ereignis“, bewerten. Wobei sie mit „dem Ereignis“ jedes mögliche menschheitsbedrohende Szenario meinen. Sie fragen sich: Wie werde ICH mit meiner Familie überleben, wenn alle anderen vor die Hunde gehen?
Dass sie selbst an vorderster Kapitalismusfront zu Verwerfungen beitragen, vor denen sie sich retten wollen, übersehen sie geflissentlich. Sie möchten von Rushkoff lieber wissen, wie sie sicherstellen, dass ihre Leibwächter sich nicht gegen sie wenden, wenn „das Ereignis“ eintritt.
Rushkoff nimmt uns in seinem anekdotenreichen Buch mit auf eine Reise in die Welt der millonen- und milliardenschweren Prepper, zeigt uns, welche Angebote für deren „Great Escape“ es gibt, und kommt doch immer wieder auf das zurück, was er als das „Mindset“ der Tech-Elite identifiziert.