Außerschulische Bildung 3/2025

Ole Nymoen: Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde

Gegen die Kriegstüchtigkeit

Ole Nymoen, der mit Wolfgang M. Schmitt den Videopodcast „Wohlstand für alle“ (www.youtube.com/c/WohlstandfürAlle) betreibt, vertritt einen neuen Typus politischer Bildung. Er arbeitet netzbasiert, ist in der Welt der neuen Medien zuhause und hat zusammen mit Schmitt das Buch „Influencer: Die Ideologie der Werbekörper“ vorgelegt. Es stieß auf große, allerdings gemischte Resonanz, denn es folgt Adornos Kulturindustrie-These und kritisiert gerade den Mainstream einschlägiger Netz-Aktivitäten, die Informationsvermittlung auf ihre Funktion als Werbeträger reduzierten. Dagegen wirken Nymoens eigene Podcasts fast old-school-mäßig sachbezogen. Sie konzentrieren sich auf die Inhalte, meiden modische Rahmung und ermuntern z. B. ihr junges Publikum, sich mit dem eher sperrigen Thema Politische Ökonomie zu befassen.

Anfang 2025 konzentrierten sich die Podcasts auf die Wahlprogramme der Parteien und versuchten, zu deren Lektüre anzuregen – auch eine eher traditionelle Form, zur politischen Auseinandersetzung zu motivieren. 2024 hatte Nymoen jedoch mit einem anderen Thema für Aufsehen gesorgt. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichte er ein Statement zu der Frage „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“. Das löste einen Shitstorm aus. Der Autor wurde als vaterlandsloser Geselle und Egoist angegriffen und etwa mit dem Wunsch bedacht, er möge den Russen in die Hände fallen und zu „15 Jahre Lagerhaft“ verurteilt werden. (S. 116)

„Deutschland muss kriegstüchtig werden“ – so die Losung des letzten und neuen Verteidigungsministers Boris Pistorius. Das war der Anstoß für Nymoens Stellungnahme. Bei der Vokabel kriegstüchtig könne „es einem klar denkenden Menschen eigentlich nur kalt den Rücken runterlaufen“ (S. 11), lautete seine spontane Reaktion. Die begründet nun sein Buch ausführlich, in einer persönlich gehaltenen, gut lesbaren Form, mit der er auf die teils heftigen Angriffe reagiert und auch eigene Vorstellungen des sozialen Zusammenlebens – „Wo bleibt die Gemeinschaft?“ (S. 126 ff.) – zur Sprache bringt.

In der Einleitung setzt er gerade in dieser Hinsicht seinen Standpunkt den Anforderungen entgegen, die mittlerweile in Sachen Opferbereitschaft an die junge Generation gerichtet werden: „Der so oft beschworene ‚gesellschaftliche Zusammenhalt‘, er ist nichts weiter als eine Phrase für Weihnachts- und Neujahrsansprachen. Und dennoch tun die maßgeblichen Politiker so, als würden die Interessen des Staates und die seiner Bürger in eins fallen, sodass die Kriegstüchtigkeit nicht nur von oben verordnet, sondern von unten gewollt sei.“ (S. 17 f.) Die Betonung von Interessendifferenzen gibt dann gewissermaßen den roten Faden für die folgenden Kapitel ab.