Außerschulische Bildung 1/2026

„Sich selbst nicht zu verschließen und nicht dogmatisch zu werden.“

Nachruf auf Mechthild Merfeld, Geschäftsführerin des AdB von 1974–2007

In den 1960er und 1970er waren es Männer, die der politischen Bildung ein Gesicht gaben und sie prägten. Dazu gehören Namen wie Berthold Finkelstein, Bernhard Gebauer, Ulf Lüers, um nur einige zu nennen. Umso erstaunlicher, dass der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten 1974 eine Frau zur Geschäftsführerin des Verbandes machte. Mechthild Merfeld setzte sich im Bewerbungsverfahren durch, obwohl ihr zuvor bescheinigt worden war, dass sie sich „nicht zu bewerben bräuchte, da (sie) als Frau keine Chance hätte und außerdem zu links sei“, wie das Zitat aus einem Interview mit ihr anlässlich des 50jährigen Bestehens des AdB belegt.

Dass die Entscheidung dann aber doch für Mechthild ausfiel, erwies sich als außerordentlicher Glücksfall für den AdB. Nicht nur, dass sie den Verband mit großem Engagement, hoher fachlicher Kompetenz und Menschlichkeit leitete, sie prägte den AdB entscheidend und legte ein Fundament, das bis heute trägt und von dem alle nachfolgenden Akteure – ob in Vorstand, Geschäftsstelle oder Gremien – profitieren.

Sie stärkte die internationale Bildungsarbeit im AdB, unterstützte die weiblichen Fachkräfte in den Mitgliedseinrichtungen durch die Einrichtung einer eigenen Kommission Mädchen- und Frauenbildung, beantragte erfolgreich ein Projekt zum Gender Mainstreaming, das letztendlich auch zur geschlechterparitätischen Besetzung des Vorstands führte.

Einschneidend für die Struktur des Verbandes war auch ihr Wirken nach dem Mauerfall. Der AdB wurde Teil des Programms „Aufbau freier Träger“ in den neuen Bundesländern und bot fachliche, rechtliche und förderpolitische Beratung an – auf Augenhöhe, mit hoher Sensibilität und Achtung vor der Leistung der Kolleg*innen im Osten der Republik. Die Mitgliedschaft im AdB wurde unter unkomplizierten Bedingungen angeboten. Über 30 Einrichtungen und Träger nutzten die Möglichkeit. Zum großen Bedauern konnten sich trotz Unterstützung nur wenige Einrichtungen halten.