Außerschulische Bildung 4/2025

Statement von Petra Pau

35 Jahre nach der Wiedervereinigung ist Deutschland vereint, aber nicht in allem einig. Die Mauer in den Köpfen ist kleiner geworden, doch soziale und politische Spaltungen verlaufen heute quer durchs Land. Viele Ostdeutsche haben erlebt, dass ihre Lebensleistung lange geringgeschätzt wurde – das wirkt bis heute fort.

Deutsche Einheit ist daher keine abgeschlossene Erfolgsgeschichte, sondern eine tägliche Aufgabe. Sie verlangt Respekt vor unterschiedlichen Biografien und gleiche Chancen für alle – ob in Wismar, Wolfsburg oder Würzburg.

Politische Bildung kann dabei Brücken bauen. Einheit wächst, wo Menschen ihre Geschichte erzählen können – und andere bereit sind zuzuhören. Wer Demokratie stärken will, muss Erfahrungen sichtbar machen, auch die Brüche und Zumutungen nach 1990.

Denn Einheit lebt nicht von Parolen, sondern vom gemeinsamen Lernen über Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortung füreinander. Demokratie braucht Gerechtigkeit – und Gerechtigkeit braucht Demokratie.