Außerschulische Bildung 3/2025

Türkischer Rechtsextremismus und die Stimmen der Betroffenen

Zwischen Bedrohung und Bildungsauftrag

Der Beitrag widmet sich dem bislang wenig beachteten, aber relevanten Phänomen des türkischen Rechtsextremismus in Deutschland, insbesondere in Gestalt der „Grauen Wölfe“. Er analysiert die transnationalen ideologischen Verflechtungen, mediale Inszenierungen und Radikalisierungsstrategien – mit besonderem Blick auf Jugendliche. Zentrales Anliegen ist die Sichtbarmachung der Perspektiven Betroffener, die Anfeindungen, Bedrohungen und Gewalt erfahren. Wie kann politische Bildung diesem Phänomen begegnen, ohne minorisierte Gruppen pauschal zu stigmatisieren? Ein Plädoyer für eine differenzierende Auseinandersetzung mit transnationalen Rechtsextremismen als Bestandteil demokratischer Bildung und Resilienzförderung. von Gulistan Özmen-Tuncel und Erol Ünal

Einordnung und Ausgangspunkt: Rechtsextremismus und Ungleichwertigkeitsideologien

Rechtsextremismus in seinen unterschiedlichen Ausprägungen basiert auf der Ablehnung demokratischer Grundwerte sowie der Vorstellung menschlicher Ungleichwertigkeit. Dabei treten autoritäre Staatsvorstellungen, Ausgrenzung von Minderheiten und ein ethnisch homogenes Gesellschaftsbild zutage. Hans-Gerd Jaschke beschreibt rechtsextreme Ideologien als antipluralistisch, kollektivistisch und autoritär geprägt (vgl. Jaschke 2001, S. 30).

Studien wie die Leipziger Autoritarismus-Studie (vgl. Decker et al. 2024) und die Langzeitanalysen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (vgl. Heitmeyer 2002 ff.) belegen, dass vielfältige Abwertungsmuster weit verbreitet sind. Diese ideologischen Versatzstücke finden sich nicht nur in klassischen rechtsextremen Milieus, sondern betreffen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen.