Junge Menschen müssen merken: Hier wird mir vertraut – ich kann hier vertrauen
Bei der Diskussion um Jugendbeteiligung wird oft alles aus der Perspektive der Erwachsenen gedacht und gestaltet: Es geht darum, die Demokratie zu stärken, in die Zukunft zu investieren, die eigenen Verfahren zu bereichern. Dabei werden an Jugendbeteiligung Ansprüche gestellt, die bei politischem Engagement von Erwachsenen viel seltener Beachtung finden: Es soll niedrigschwellig und inklusiv sein und die erreichen, die bisher nicht erreicht oder aktiviert wurden. Kinder- und Jugendbeteiligung orientiert sich an etablierten Prozessen und Abläufen. Sie muss sich nach den Strukturen richten, die Erwachsene für Erwachsene gestalten, soll sich aber mit kleinen Budgets und Rederechten statt Vetorecht und Haushaltsposten zufriedengeben. Verfahren werden nicht verändert, sondern höchstens gedolmetscht, von „bürokratisch“ zu dem, was Erwachsene sich als „jugendgerecht“ vorstellen. Verlässlich, verbindlich und wirksam ist dabei nur wenig. Daran nicht zu verzweifeln, nicht desillusioniert und gelangweilt das Handtuch zu werfen, ist schwer. Eine wichtige Brücke, Stütze und motivierende Wegzehrung ist daher das Vertrauen in die Demokratie, in die Strukturen und Prozesse, in die Menschen, mit denen sich die jungen Menschen gemeinsam engagieren und mit denen sie zusammenarbeiten. Wie aber kann dieses Vertrauen ganz praktisch gestärkt werden?
Wir haben uns darüber unterhalten, worum es bei Vertrauen im Kontext politischer Bildung und Beteiligungsarbeit geht. Was sind die Erfahrungen von Björn Elsen aus der Arbeit mit dem Jugendforum in Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen? Überschneidet sich das mit den Erfahrungen, die Jasmin-Marei Christen in Beteiligungsprozessen, Jugendverbandsarbeit und außerschulischer politischer Bildung gemacht hat? Was dabei deutlich wird ist kein neuer Zaubertrick und auch nicht das Material für eine neue Toolbox. Aber es ist doch erschreckend unüblich: Beteiligung braucht Strukturen, die für junge Menschen gemacht sind, die auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet sind, die Raum für ihre Expertise bieten und sich als vertrauenswürdig erweisen. Denn das schafft wiederum Vertrauen in die Strukturen, in die Begleitpersonen und in die Demokratie generell.
Aber was bedeutet das für Fachkräfte, die das ganz praktisch umsetzen wollen? Was kann eine solche Art der Jugendbeteiligung an dem Vertrauen in kommunale Strukturen, in Politik und Demokratie verändern? Welche Verantwortung haben wir als Begleitkräfte, dieses Vertrauen aufzubauen?