Gedanken zur Bedeutung von Vertrauen in der politischen Bildungsarbeit mit von Mehrfachdiskriminierung betroffenen Zielgruppen
Wenn Vertrauen schwerfällt
Unsere Zielgruppen haben häufig bereits vielfältige Vertrauensbrüche erlebt – sei es im Bildungssystem, in ihren Familien, durch Behörden oder durch gesellschaftliche Stigmatisierung. Diese Erfahrungen prägen sie tief. Wer immer wieder erlebt, dass Erwartungen enttäuscht werden, Mitsprache folgenlos bleibt oder Engagement ins Leere läuft, entwickelt eine Skepsis – oder gar ein grundlegendes Misstrauen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn uns in Seminaren Aussagen begegnen wie: „Politik ist eh nichts für mich – daran verdienen nur Politiker und Unternehmen!“
Unsere Teilnehmenden wachsen in einem selektiven und leistungsorientierten Schulsystem auf, das sie strukturell und institutionell benachteiligt. Ihre Lebensrealität ist geprägt von Konkurrenzdruck, Perspektivlosigkeit und mangelnder Unterstützung. Sie erfahren jeden Tag, dass Bildung nicht für alle gleich zugänglich ist und dass soziale Herkunft, Migrationsgeschichte oder Geschlechterzuschreibungen über Erfolg und Scheitern mitentscheiden. Oftmals verfügen sie oder Familienangehörige weder über die deutsche Staatsangehörigkeit noch über einen gesicherten Aufenthaltsstatus.