Die Perspektive des 17. Kinder- und Jugendberichts
Vertrauen in Zeiten der Polykrise
Moderne Gesellschaften sind mit Blick auf Sicherheitsfragen zweischneidig. Einerseits haben sich in ihr über die Familie hinaus weitere Institutionen etabliert, die Menschen heute potenziell mehr Chancen auf ein sicheres Leben bieten als dies in früheren Gesellschaftsformen der Fall war. Andererseits hat die Moderne selbst zahlreiche „hausgemachte“ Krisen hervorgebracht, die das Leben unsicherer machen als früher (vgl. Giddens 2001). In den letzten Jahren ist das offensichtlicher denn je geworden. Als Beispiele lassen sich die Covid-19-Pandemie, die Klimakrise, sich neuformierende geopolitische Kräfteverhältnisse samt kriegerischer Auseinandersetzungen, ein globaler Trend zur Delegitimation demokratischer und rechtsstaatlicher Verfahrensweisen und ein struktureller Arbeitskräftemangel bei sich gleichzeitig rapide wandelnden Arbeitstechnologien nennen. Die genannten Krisen überlagern und verstärken sich zum Teil gegenseitig, weshalb auch von einer Epoche der Polykrise die Rede ist (vgl. Häckermann/Ettrich 2023).
Vor diesem Krisenhintergrund kommen Zuversicht und Vertrauen eine besondere Bedeutung zu. Diese Bedeutung lässt sich vereinfacht wie folgt ausdrücken: Je krisenhafter eine Situation ist, desto schwieriger ist es, Zuversicht und Vertrauen aufzubringen – zugleich sind Zuversicht und Vertrauen jedoch nie wichtiger als in einer krisenhaften Situation. Warum ist das so? Um dies zu verstehen ist es zunächst nötig, das wissenschaftliche Verständnis von Zuversicht und Vertrauen kurz zu skizzieren.