Herausforderungen für die Bildungsarbeit im Umgang mit Gender, sexueller und geschlechtlicher Diversität und Feminismus
Die Auseinandersetzung mit Gender und Diversität nimmt in der politischen Bildungspraxis zu Recht einen immer größeren Stellenwert ein. Sie trägt dazu bei, Menschen für die verschiedenen Lebensformen zu sensibilisieren, gleichzeitig kann sie eine empowernde Wirkung haben, wenn dadurch Menschen ermutigt werden, selbstbestimmt über ihr Leben, ihre Identitäten, ihren Körper etc. zu entscheiden. Solche Diskurse zu Gender und Diversität sowie Feminismus sind immer wieder Angriffen und Anfeindungen ausgesetzt. Dazu gehören Angriffe gegen den Begriff Gender, gegen Gender Studies und gegen die diesem Bereich angehörenden Wissenschaftler*innen. Dazu gehören weiterhin die Ablehnung geschlechtergerechter Sprache, Angriffe auf das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper, Angriffe gegen Menschen, die von der heterosexuellen Norm und der geschlechtlichen Binarität abweichen, und gegen Menschen, die sich selbst als feministisch verstehen und/oder feministische (Bildungs-)Arbeit leisten.
Die Herausforderungen: Gender und Diversity und ihre Konstruktion als Feindbild
Hinter der Ablehnung des Begriffs Gender und seiner Konstruktion als Feindbild steht eine biologistische Perspektive auf das Geschlechterverhältnis, die auf die Binarität von Mann und Frau sowie auf Heterosexualität begrenzt ist.
Angriffe gegen Gender lassen sich bereits seit vielen Jahren ausmachen und finden sich auch in etablierten Medien. Beispielsweise erschien im Jahr 2006 ein Artikel von Volker Zastrow in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in dem Zastrow behauptet, die treffendste Übersetzung von Gender Mainstreaming sei Politische Geschlechtsumwandlung und verfolge das Ziel, den neuen Menschen zu schaffen (vgl. Zastrow 2006). Entgegen der Aussage von Zastrow und anderen, die diesen Begriff vehement ablehnen und bekämpfen, geht es bei Gender Mainstreaming um die Verankerung von geschlechterpolitischen Maßnahmen zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Im Politlexikon der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb wird Gender Mainstreaming wie folgt erklärt: „G.-M. ist ein politisches Programm und Instrument, das auf die Gleichstellung von Frauen und Männern zielt.“ (bpb 2023) Kritisiert wird im obigen Beispiel nicht etwa die mit Gender Mainstreaming einhergehende Festschreibung geschlechtlicher Binarität und das Außerachtlassen geschlechtlicher Diversität, sondern es wird als strategische Agenda mit überhöhtem Einfluss konstruiert. Seitdem gibt es immer wieder Veröffentlichungen, in denen Gender oder auch Gender Studies als wissenschaftliche Disziplin angegriffen werden. Häufig wird Gender dort als Ideologie konstruiert und vor dessen vermeintlichen Gefahren gewarnt. Der Begriff Gender-Ideologie geht auf den Vatikan zurück und wird später von Gabriele Kuby, einer militanten Katholikin und Publizistin, aufgegriffen und als kämpferische Ideologie charakterisiert (vgl. Chołuj 2015, S. 220 f.).
Neben der Diffamierung und den Angriffen gegen den Begriff Gender werden also häufig auch Gender Studies als wissenschaftliche Disziplin abgelehnt. Die Ablehnung von Gender Studies und die Markierung dessen als Feindbild wird in besonderer Weise durch den Entzug der Akkreditierung des Studienfachs in Ungarn durch die ungarische Regierung im Jahr 2018 (vgl. u. a. Langowski 2021) deutlich. Auch im Netz findet sich eine vehemente Ablehnung von Gender Studies in verschiedenen Ländern. Dies zeigt sich beispielsweise auf dem antifeministischen Blog Sciencefiles, der sich laut Selbstaussage der Kritischen Wissenschaft widmet (vgl. Sciencefiles zit. n. Autor*innenkollektiv Fe.In 2019, S. 61). Auf Sciencefiles wird ein Forschungsprojekt vorgestellt, zur „(…) Bestandsaufnahme der Infiltration aller deutschen Universitäten durch Genderista und eine Bewertung des bislang entstandenen Schadens (…).“ (Sciencefiles 2023) Diese Aussage verdeutlicht nicht nur die feindliche Haltung gegenüber dem Studienfach, sondern diffamiert auch Menschen, die in diesem Bereich tätig sind. Anfeindungen gegen Gender Studies bestehen seit deren Anfängen in den 1980er Jahren, sind jedoch in den letzten Jahren deutlich intensiver geworden (vgl. Näser-Lather 2020, S. 105).

In öffentlichen Debatten ist die Auseinandersetzung mit geschlechtergerechter Sprache sehr präsent und wird zum Teil kontrovers geführt. Für die politische Bildungsarbeit ist die Akzeptanz geschlechtergerechter Sprache aber ein relevantes Thema, weil sie hilft, Diskriminierungen abzubauen und eine diverse Gesellschaft zu fördern. Die öffentlichen Debatten drehen sich oft um die Ablehnung von Formulierungen, die mehr geschlechtliche Diversität ausdrücken als das generische Maskulinum. In der Betrachtung von Debatten rund um die Ablehnung von geschlechtergerechter Sprache sollte klar unterschieden werden zwischen Aussagen, die geschlechtergerechte Sprache als nicht relevant erachten oder ihr mit Unverständnis begegnen und solchen, die Gender und geschlechtergerechte Sprache als Feindbild darstellen und strategisch dagegen vorgehen. Beim ersten Fall besteht Unverständnis gegenüber den Forderungen nach geschlechtergerechter Sprache, oft verbunden mit wenig Interesse an den Themen Gender und Diversity. Häufig wird geschlechtergerechte Sprache als nicht besonders relevant betrachtet: Laut einer Umfrage von infratest dimap im September 2022 bewerten 41 % der Befragten die Relevanz von geschlechtergerechter Sprache als „gar nicht wichtig“ (infratest dimap 2023). Beim zweiten Fall geht es hingegen um strategisch geführte Anfeindungen. Dies zeigt sich in der vehementen Ablehnung und Feindbildkonstruktion von geschlechtergerechter Sprache und geht mit gezielten Angriffen und der Abwertung von Menschen einher. So wurde beispielsweise Ende Juli 2023 eine Volksinitiative für ein Verbot von geschlechtergerechter Sprache in Behörden, Universitäten und Schulen in Hamburg mit mehr als 16.000 Unterschriften angenommen (vgl. Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg 2023). Auf der Webseite der Freien Welt findet sich die Aufforderung: „Machen wir Schluss mit dem Spuk und leisten überall Widerstand gegen die rot-grüne Verhunzung unserer schönen deutschen Sprache.“ (Freie Welt 2023) Solche strategischen Anfeindungen finden sich in einem breiten Spektrum und reichen bis zu extrem rechten Angriffen gegen den Einsatz für mehr Vielfalt in der Sprache.
Für die politische Bildungsarbeit ist die Akzeptanz geschlechtergerechter Sprache ein relevantes Thema, weil sie hilft, Diskriminierungen abzubauen und eine diverse Gesellschaft zu fördern.
Auch in der Ablehnung des Kampfes für Selbstbestimmung und Rechte für FLINTA* und LGBTIQ*-Personen zeigen sich weitere Formen von Angriffen gegen Gender und Diversity. Dabei wird der Einsatz für Selbstbestimmung über den eigenen Körper, Rechte von LGBTIQ*-Personen und gesellschaftliche Diversität aus dem antifeministischen, extrem rechten und/oder christlich-fundamentalistischen Spektrum immer wieder als vermeintliche Lobby dargestellt und dementsprechend Menschen, die sich für Diversität einsetzen, angefeindet und deren Engagement diffamiert. Dies zeigt sich u. a. in Aussagen auf der katholischen Nachrichtenseite Tagespost: „(…) der politische Arm der Abtreibungslobby (hat) brutal zurückgeschlagen“ (Tagespost 2023) oder in Behauptungen auf dem rechten Blog Tichys Einblick über eine vermeintliche Transgender-Lobby, die angeblich Minderjährige manipulieren würde (vgl. Kraus 2021). Im Mittelpunkt steht hier das Bekämpfen von Forderungen für ein Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper und das eigene Leben. Neben der Diffamierung solcher Forderungen wird mit der Bezeichnung als Lobby auch eine gezielte Einflussnahme auf das politische Geschehen unterstellt, welches anschlussfähig für verschwörungsideologische Narrative sein kann. Diese Anschlussfähigkeit zeigt sich auch bei der reaktionären Initiative Demo für alle, die sich seit ihrer Gründung 2014 immer wieder gegen mehr Akzeptanz bzw. Gleichstellung von LGBTIQ* Personen stellen. So auch in ihrem Positionspapier von 2022 gegen das neue Selbstbestimmungsgesetz: Unter dem Deckmantel des Kinder- und Jugend- sowie Frauenschutzes wird von einem vermeintlichen Trans-Hype und einer vermeintlich übermäßigen Einflussnahme gewarnt (vgl. Demo für Alle 2022). Zudem warnt Demo für Alle „(…) in klassisch antisemitischer Verschwörungsmanier beispielsweise vor dem Weltwirtschaftsforum als ‚verlängertem Arm der LSBT-Lobby‘, das die ‚Umsetzung ideologischer Gesellschaftsexperimente, ganz vorn dabei die LSBT-Ideologie‘, zum Ziel habe.“ (Riese 2023)
In der extremen Rechten zeigt sich eine vehemente Ablehnung von Gender. Auch die Forderungen nach mehr Diversität, besonders in Bezug auf geschlechtliche und familiare Lebensweisen, werden abgelehnt. Denn diese stehen im Widerspruch zu der in extrem rechten Vorstellungen konstruierten Volksgemeinschaft. Diese Vorstellung einer Volksgemeinschaft basiert auf dem Geschlechterverhältnis als Innenverhältnis und benötigt die Konstruktion richtiger Männer und Frauen (vgl. Lehnert 2010, S. 90). Damit begründet die Volksgemeinschaft ein biologistisches und binäres Geschlechterverhältnis. Johanna Sigl zufolge wird in der extremen Rechten eine „homogene vergeschlechtlichte Gruppenidentität“ (Sigl 2021, S. 29) konstruiert. Außerhalb dieser Konstruktion bestehende Geschlechtsidentitäten werden „(…) als für die deutsche Volksgemeinschaft unnütz bis schädlich gebrandmarkt“ (ebd., S. 29). Das heißt, jegliche geschlechtlichen und familialen Formen, die von der geschlechtlichen Binarität und der heterosexuellen Kleinfamilie abweichen, werden abgewehrt. So steht nicht nur Gender und die damit einhergehende Dekonstruktion einer zweigeschlechtlichen Norm im Widerspruch zur Volksgemeinschaft, auch pluralisierte Lebensentwürfe insgesamt, denn diese stehen der heterosexuellen Kleinfamilie als Basis der Volksgemeinschaft entgegen. Demzufolge dient die Ablehnung von Gender und Diversität der Aufrechterhaltung der als natürlich angesehenen (und als homogen, weiß, christlich) konstruierten Volksgemeinschaft. Angriffe gegen Gender und Diversity aus der extremen Rechten erfolgen vor dem Hintergrund der Verteidigung dieser vermeintlich natürlichen Ordnung. Der Begriff Gender wird ebenso wie Feminismus als Ideologie oder Indoktrination dargestellt, wovor insbesondere Kinder geschützt werden müssten. So wird behauptet, durch Gender (oder Feminismus) finde eine Frühsexualisierung statt. Beispielsweise wird eine vermeintliche „sexualisierende Indoktrination unserer Heranwachsenden“ (Kraus 2022) durch ARD und ZDF kritisiert und eine Abkehr davon gefordert (vgl. ebd.). Die Argumentation mit dem Narrativ des Kinderschutzes, die auch in einem vorhergehenden Beispiel von dem rechten Blog Tichys Einblick auftritt, und sich dafür ausspricht, Kinder und Jugendliche vor vermeintlicher Indoktrination zu bewahren, ist in diesem Zusammenhang besonders problematisch: Insbesondere für Kinder und Jugendliche ist es von großer Bedeutung in ihren vielfältigen Identitäten und Lebensweisen anerkannt zu werden. Dafür braucht es eine diversitätssensible Bildungslandschaft und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen.
Die in den Beispielen dargestellten Angriffe gegen Gender, Diversität und Selbstbestimmungsrechte lassen sich unter antifeministischen Anfeindungen zusammenfassen. In ihrem Sammelband „Antifeminismus in Bewegung“ charakterisieren Juliane Lang und Ulrich Peters Antifeminismus als Gegnerschaft zu einem als allmächtig konstruierten Feminismus oder als Ablehnung der Pluralisierung von Lebensformen hinsichtlich geschlechtlicher, sexueller und familialer Vielfalt, wobei beide Bestandteile auch miteinander einhergehen können (vgl. Lang/Peters 2018, S. 17). Lang und Peters machen deutlich, dass dies über eine bloße Distanzierung von Feminismus hinausgeht (vgl. ebd., S. 17 f.). Antifeministische Annahmen sind anti-emanzipatorisch, da sie sich explizit gegen emanzipatorische Forderungen nach einer pluralisierten Lebenswelt, in der Menschen selbstbestimmt über Körper, Geschlecht, Familie, Lebensform und Sexualität entscheiden dürfen, stellen. Auch wird im Antifeminismus der Feminismus insbesondere hinsichtlich seines vermeintlichen gesellschaftlichen Einflusses überhöht.
Politische Bildung im Umgang mit den vielfältigen Herausforderungen
Es gehört zu demokratischen Debatten und gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzungen dazu, mit Personen, die beispielsweise geschlechtersensible Sprache als nicht wichtig betrachten oder Vorbehalte haben, ins Gespräch zu kommen und durch konstruktive Diskussionen sowie Zuhören und Nachfragen gegebenenfalls Abneigungen abzubauen und die Relevanz von mehr Diversität in der Sprache zu verdeutlichen. Diese Auseinandersetzung in Bildungsangeboten zu führen ist Teil einer offenen politischen Bildungsarbeit.

Im Kontext politischer Bildungsarbeit besteht zudem die Herausforderung darin, antifeministische Argumentationen, Anfeindungen und Aussagen zu erkennen und gleichzeitig Kritik an feministischen Forderungen zuzulassen und im Rahmen demokratischer Aushandlungsprozesse zu thematisieren. Es ist durchaus legitim, bestehende feministische Forderungen zu diskutieren, sie weiterzuentwickeln und neue Forderungen zu formulieren. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist die Kritik an weißen feministischen Forderungen. In dem 1989 erschienenen Aufsatz mit dem Titel „Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics“ schreibt Kimberlé Crenshaw, dass Diskriminierungen nicht nur auf Grund der Zugehörigkeit zu einer marginalisierten Gruppe erfolgen, sondern mit anderen Kategorien verschränkt sind, die nicht isoliert voneinander stehen, sondern gleichzeitig auftreten können (vgl. Crenshaw 1989, S. 149). Mit dem Einbezug dieser intersektionalen Perspektive können sich feministische Bestrebungen von einem eingeschränkten Fokus, beispielsweise auf weiße, bürgerliche Frauen lösen und weitere Kategorien der Ungleichheit berücksichtigen. Dieses Thema ist weiterhin relevant für die Auseinandersetzung mit feministischen Bestrebungen, denn, so stellt Rafia Zakaria in ihrem Buch „Against White Feminism“ (2022) heraus, müssen Formen von Privilegien, die arme Frauen, Migrant*innen, nicht-weiße Personen oder Personen, die nicht im Westen leben, von feministischen Errungenschaften ausschließen, überwunden werden, um Freiheit und Empowerment für alle zu erreichen (vgl. Zakaria 2022). Es braucht also auch weiterhin eine konstruktive und kritische Auseinandersetzung mit feministischen Forderungen, die jedoch eindeutig von Antifeminismus abzugrenzen ist. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit den gezielten Angriffen auf vielfältige und inklusive Abbildungen von Geschlechtlichkeiten im Netz, die deutlich zeigen, wie sehr die Thematik gesamtgesellschaftlich andockt. Auch die Tagesschau wurde mit einem Shitstorm überzogen, als in ihrem ursprünglichen Artikel zu einem neuen Gesetzesentwurf von Bundesfamilienministerin Lisa Paus statt von Müttern von „gebärenden“ und „entbindenden“ Personen die Rede war, um geschlechtliche Diversität im Kontext der Schwangerschaft abzubilden und Personen zu inkludieren, die sich selbst nicht als weiblich definieren. Dies zog eine Welle der Empörung nach sich, mit dem Vorwurf, dass Mütter gezielt unsichtbar gemacht werden sollen, u. a. befeuert von der FAZ und der Bild (vgl. Hanfeld 2023; Fabian 2023). Letztlich gab die Tagesschau der vehementen Kritik und emotional aufgeladenen Diskussion im Netz nach, veränderte den Text und versah ihn mit einer Anmerkung, sodass das Wort „Mutter“ wieder darin vorkommt und die Begriffe „gebärende“ und „entbindende“ Personen ersetzt wurden, da sie zu Missverständnissen geführt hätten (vgl. Frühauf 2023).
Im Kontext politischer Bildungsarbeit besteht die Herausforderung darin, antifeministische Argumentationen, Anfeindungen und Aussagen zu erkennen und gleichzeitig Kritik an feministischen Forderungen zuzulassen und im Rahmen demokratischer Aushandlungsprozesse zu thematisieren.
Solche Ereignisse zeigen die aktuelle Relevanz des Themas. Politische Bildungsarbeit könnte dies aufgreifen und dazu beitragen, dass akademische Debatten rund um das komplexe Thema Gender nicht in unverständlichen Narrativen, fernab vieler Lebensrealitäten verharren, sondern einen Zugang schaffen, um miteinander zu reden und Anliegen verständlicher zu machen. Politische Bildner*innen sollten dabei jedoch auch um antifeministische Angriffe und Anfeindungen wissen und sich damit auseinandersetzen. Dazu ist die Kenntnis über antifeministische und rechte Narrative relevant, da solche Narrative weit verbreitet und dadurch vielen Menschen bereits begegnet sind. Antifeministische Einstellungen haben der Leipziger Autoritarismusstudie zufolge zuletzt zugenommen und es zeigen sich Zustimmungen zu antifeministischen und sexistischen Aussagen bei bis zu 25 % der Befragten (vgl. Kalkstein et al. 2022, S. 253). In der Bildungsarbeit können Angebote gemacht werden, über antifeministische und rechte Inhalte zu sprechen und dafür zu sensibilisieren, diese zu erkennen und einzuordnen. Gleichzeitig können Menschen ermutigt werden, sich an demokratischen Diskursen zu beteiligen und für mehr Diversität und Selbstbestimmung einzutreten. Daher ist es für die Bildungspraxis wichtig, sowohl explizite als auch implizite Narrative, die sich gegen Gender und Diversity richten, zu (er)kennen und dies gegebenenfalls in der Bildungsarbeit aufzugreifen und zu thematisieren. Damit einhergehend können Gegennarrative aufgezeigt und so eine soziale und demokratische Grundhaltung gefördert werden. Durch die weite Verbreitung antifeministischer Haltungen und die enorme Anschlussfähigkeit solcher Narrative und Ideologien in breiten Teilen der Gesellschaft, ist es von Bedeutung, sich im Kontext der politischen Bildungsarbeit hierzu zu positionieren. Auch kann eine Auseinandersetzung mit antifeministischen Argumentationsmustern helfen, bei etwaigen Angriffen gegen die eigene Arbeit gewappnet zu sein. Dazu ist es wichtig, diese Angriffe als antifeministisch, sexistisch und gegen Diversität gerichtet zu erkennen und einordnen zu können, auch um dementsprechende Hilfsangebote wahrnehmen zu können.
Politische Bildung hat die Aufgabe zu sensibilisieren und Wege aufzuzeigen, sich im digitalen Raum zu positionieren.
Eine große Leerstelle bildet in diesem Kontext noch immer der digitale Raum. Da viele antifeministische Anfeindungen und Angriffe im Internet und den sozialen Medien erfolgen, ist es ebenfalls wichtig, sich als politische Bildner*in mit dem digitalen Raum als einem Ort der Aushandlung in Bezug auf Gender und Diversity zu beschäftigen. Politische Bildung kann auch hier positive Narrative schaffen. Zudem kann es Ziel politischer Bildungsangebote sein, auch in digitalen Räumen rechte und antifeministische Positionen zu erkennen und dem eine soziale, feministische und demokratische Grundhaltung entgegenzusetzen. Insbesondere mit Blick auf Kinder und Jugendliche ist es wichtig, Diversität abzubilden und Räume zu öffnen, in denen über Unsicherheiten gesprochen werden kann. Dass die Förderung von Akzeptanz und Sichtbarmachung von Diversität Angriffen ausgesetzt ist, macht auch vor Kindern und Jugendlichen nicht halt. Besonders im digitalen Raum sind sie damit konfrontiert. Mit der Thematisierung von HateSpeech in der politischen Bildung finden bereits Auseinandersetzungen zu Hass und Gewalt im Online-Kontext statt und es gibt dementsprechende Bildungsangebote. Daran anknüpfend hat politische Bildung auch in Bezug auf Angriffe und Anfeindungen gegen Gender und Diversität die Aufgabe zu sensibilisieren und Wege aufzuzeigen, sich im digitalen Raum zu positionieren. Berücksichtigt werden muss hierzu auch die Auseinandersetzung darüber, wie ein geeigneter Selbstschutz im digitalen Raum aussehen kann, wenn sich Menschen aktiv an demokratischen Debatten online beteiligen und sich für Feminismus, Diversity und Demokratie einsetzen.
Zu den Autorinnen
jugenheimer@adb.de
ina.bildungsarbeit@systemli.org