Die Kommission Erwachsenenbildung tagt im ländlichen Schleswig-Holstein

Passender hätte der Ort für die Frühjahrssitzung der Kommission Erwachsenenbildung nicht gewählt sein können, hatten die Kommissionsmitglieder als thematischen Schwerpunkt doch die politische Bildung im ländlichen Raum verabredet. So trafen sich die Kolleg*innen am 14. und 15. März 2023 in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte im idyllischen Bad Malente.
Um sich dem Schwerpunkt zu nähern, starteten die Kommissionsmitglieder zunächst mit einem Austausch über die Relevanz des ländlichen Raums für die Träger und Einrichtungen. Immer wieder stand dabei die Frage im Raum, ob Bildungsstätten mehr sind als nur ein „Ufo“ im eigenen Umfeld – wie auch Boris Brokmeier in seinem Beitrag in der Ausgabe 1/2023 dieser Fachzeitschrift fragt.
Nur die wenigsten Bildungsstätten sind im unmittelbaren ländlichen Umfeld eingebunden, da sie bestrebt sind, Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet anzusprechen und – bei eigenem Übernachtungsbetrieb – ihre Veranstaltungen möglichst mit Übernachtungen anbieten. Dennoch gibt es vielfältige Bestrebungen, in der eigenen Region stärker präsent zu sein. Viele Themen und Initiativen aus der Umgebung lassen sich in die politische Bildung einbeziehen. Dafür werden gezielt Angebote entwickelt, sei es, wenn mit Fahrradseminaren oder gezielten Exkursionen Initiativen und Einrichtungen in der Umgebung besucht werden oder auch der ländliche Raum selbst zum Thema wird. Einrichtungen halten den Kontakt zur Kommunalpolitik, zu Vereinen, aber auch zu Betrieben, Ausbildungsstätten, zur Feuerwehr und vor allem natürlich auch zu Schulen.
Zu Gast waren Hauke Petersen, Stellvertretender Landesbeauftragter für politische Bildung in Schleswig-Holstein, sowie Alexandra Ehlers, Geschäftsführerin des LandesFrauenRat Schleswig-Holstein e. V. Der Landesbeauftragte möchte möglichst für alle Menschen in Schleswig-Holstein politische Bildung anbieten. Daher gehen sie aufs Land und machen Angebote für Jugendliche und Erwachsene, kümmern sich um Kinder- und Jugendbeteiligung, organisieren Abendveranstaltungen. Besonders wichtig für ihre Arbeit sind die Kooperationspartner. Ziel ist es auch, Maßnahmen in der Kommunalpolitik zu stärken, da es immer wieder Angriffe auf Mandatsträger gibt.
Hier konnte Alexandra Ehlers unmittelbar anschließen und brachte zusätzlich die Perspektive der Frauen ein, sprach über die Bedeutung von politischer Partizipation, von Care-Arbeit und fehlender Infrastruktur. Auch hier ist Vernetzung ein zentrales Thema: Wie können Frauen für Bildungsangebote und Engagement erreicht werden? Wie gelingt es, mehr Frauen für (politische) Ämter zu gewinnen? Wie kann Familie und Engagement besser zusammengebracht werden?
Es ist deutlich geworden, dass es notwendig ist, sich mit den Themen zu beschäftigen, die in der eigenen Region virulent sind, und deren Bedeutung für die eigene politische Bildung zu prüfen. Bildungsstätten können Räume, Infrastruktur und Knowhow zur Verfügung stellen. Von dieser guten Basis aus sollte der Blick für neue Partner und deren Bedarfe geöffnet und neue Formen der Zusammenarbeit gefunden werden.
Weitere Themen waren der Austausch über aktuelle Entwicklungen in den Bundesländern, die bildungspolitischen Entwicklungen auf der Ebene des Bundes und im AdB. Die Gruppe tauschte sich darüber aus, wie die im Projekt GRETA vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) in Zusammenarbeit mit den Verbänden der Weiterbildung entwickelten Instrumente besser für die Professionalisierung der Mitarbeiter*innen in den Einrichtungen genutzt werden können. Am Ende der Sitzung wurde in einer ersten Ideensammlung der Themenschwerpunkt für die kommende Sitzung im September 2023 umrissen: KI und politische Bildung. Dann kommt die Kommission in der Europäischen Akademie Berlin zusammen.