Internationalisierung von Erwachsenenbildungseinrichtungen durch Erasmus+-Auslandsaufenthalte
Auslandsaufenthalte mit Erasmus+
Die Schaffung eines europäischen Bildungsraumes und der Aufbau eines professionellen Netzwerkes in Europa sind zentrale Ziele des Erasmus+-Programms. Erreicht werden soll dies unter anderem durch Auslandsaufenthalte von Mitarbeitenden und Teilnehmenden in der Erwachsenenbildung. Diese Lernaufenthalte können durch die sogenannte Leitaktion 1 des Erasmus+-Programms gefördert werden. Alle in der Erwachsenenbildung tätigen Personen – sowohl Hauptamtliche, Honorarkräfte als auch Ehrenamtliche – können Fördermittel für Job-Shadowings, Lehrtätigkeiten und die Teilnahme an – beispielsweise methodisch-didaktischen – Kursen bei europäischen Partnereinrichtungen erhalten. Darüber hinaus können Einrichtungen Teilnehmende ihrer Bildungsangebote zu Lernaufenthalten ins europäische Ausland entsenden. Da eines der Schwerpunktthemen des Programms Inklusion und Vielfalt ist, steht bei der Auslandsmobilität von Lernenden die Entsendung benachteiligter Teilnehmenden im Vordergrund. Eine Benachteiligung kann sich zum Beispiel aus einer wirtschaftlich prekären Situation, sozialer Ungleichheit, kulturellen Unterschieden, geografischen Hindernissen, gesundheitlichen Einschränkungen, körperlicher oder geistiger Behinderung, Lernschwierigkeiten oder einem Migrationshintergrund ergeben – so vielfältige Gründe wie die Erwachsenenbildung selbst.
Die Schaffung eines europäischen Bildungsraumes und der Aufbau eines professionellen Netzwerkes in Europa sind zentrale Ziele des Erasmus+-Programms.
Organisationsentwicklung durch Personalentwicklung
Mitarbeitende erlangen durch Aufenthalte bei einer Partnereinrichtung neues Wissen und lernen Methoden kennen, die sie in ihre Einrichtung in Deutschland zurücktragen. Neben dem persönlichen Erkenntnisgewinn der Teilnehmenden erhalten dadurch auch die Einrichtungen die Möglichkeit, sich zu internationalisieren und als Organisation weiter zu entwickeln. Erasmus+-Teilnehmende knüpfen Kontakte zu den verschiedensten Einrichtungen in Europa und können diese Netzwerke nutzen, um von der Expertise der Partnereinrichtungen zu profitieren. Das Programm ermöglicht in diesem Zusammenhang auch die Aufnahme von europäischen Expert*innen in der eigenen Einrichtung. Durch Vorträge oder Lehrtätigkeiten dieser Personen erhalten die Einrichtungen weiterführenden, inhaltlichen Input mit einer europäischen Dimension.
Die Akkreditierung als Werkzeug
Die Organisationsentwicklung und Internationalisierung von Erwachsenenbildungseinrichtungen haben mit der neuen, seit 2021 laufenden Programmgeneration einen zentralen Stellenwert erhalten. Das Programm sieht mit der sogenannten Akkreditierung eine Zugangsart vor, die auf eine langfristige Teilnahme an Erasmus+ ausgelegt ist und mit ihrem Erasmus-Plan eine Entwicklung und Internationalisierung der Einrichtungen unterstützen soll. Anders als die zweite Zugangsart, die Kurzzeitprojekte, die eine projektbezogene Förderung ermöglicht, ist die Akkreditierung dafür gedacht, langfristige Entwicklungen in den Einrichtungen zu fördern. Nach einem einmaligen, inhaltlichen Antrag haben die bewilligten Einrichtungen jährlich die Möglichkeit, Fördermittel für die im nächsten Jahr geplanten Auslandsaktivitäten zu beantragen. Einmal akkreditiert, bedeutet für die Einrichtungen einen geringeren administrativen Aufwand und mehr Raum für inhaltliche Aspekte und Organisationsentwicklung.
Internationalisierung strategisch verankern
Doch was beinhaltet eine Internationalisierung von Erwachsenenbildungseinrichtungen? Ist diese strategisch verankert, findet sich die internationale Ausrichtung zum Beispiel im Leitbild oder in der Satzung der Einrichtung wieder, sind Lehr- und Lernaufenthalte im Ausland Teil der systematischen Personalentwicklung oder gibt es Raum, Ideen aus der internationalen Arbeit intern zu diskutieren und das Themenspektrum und damit das Angebot der Einrichtung zu erweitern? Die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnereinrichtungen geht über Auslandsaufenthalte von einzelnen Personen hinaus und die Beziehungen zu den Einrichtungen sind institutionell verankert und hängen nicht allein an guten persönlichen Kontakten. Darüber hinaus fördert die Einrichtung die Fremdsprachen- und interkulturellen Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden. Auch das eigene Bildungsangebot zeichnet sich durch eine internationale Ausrichtung aus. Komplementiert werden kann dieses zum Beispiel auch durch internationale Gastdozent*innen.
Mobilitätsprojekte im Rahmen von Erasmus+ und speziell die Akkreditierung unterstützen Einrichtungen der Erwachsenenbildung bei der Entwicklung und Umsetzung einer strategischen Internationalisierung.
Mobilitätsprojekte im Rahmen von Erasmus+ und speziell die Akkreditierung unterstützen Einrichtungen der Erwachsenenbildung bei der Entwicklung und Umsetzung einer strategischen Internationalisierung. Durch Erasmus+-Projekte können beispielsweise regelmäßig Auslandsaufenthalte für Lehrende ermöglicht werden, sodass diese ihre Bildungsangebote mit Hilfe der Expertise ausländischer Partnereinrichtungen verbessern können. Auch nicht-lehrendes Personal kann zu Auslandsfortbildungen entsandt werden und sich so zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung weiterbilden. Auslandsaufenthalte für Lernende können dazu dienen, das eigene Bildungsangebot zu erweitern und aufzuwerten.

Aus der Praxis
Wie die Erasmus+-Akkreditierung in eine Internationalisierungsstrategie eingebettet werden kann, zeigt das Beispiel des Bildungswerks von Arbeit und Leben Hamburg: Die Einrichtung hat ihre 2020 beantragte Akkreditierung zum Teil einer Internationalisierungsstrategie gemacht. Durch die Akkreditierung soll es dem Personal und den Lernenden der Einrichtung ermöglicht werden, an zielgruppenspezifischen und bedarfsorientierten Auslandsaufenthalten teilzunehmen. Der fachliche, methodische und interkulturelle Erkenntnisgewinn wird im Anschluss an die Fortbildungen in die Einrichtung zurückgetragen. Flankiert werden die Auslandsaufenthalte von strategisch-interkulturellen Vorbereitungsseminaren, in denen die Teilnehmenden Ideen zur Professionalisierung in der Erwachsenenbildung reflektieren, Ziele der Mobilität und internationalen Zusammenarbeit festlegen und relevante Ergebnisse benennen. Generell unterstützt die Akkreditierung die Einrichtungen beim Aufbau eines nationalen und internationalen Netzwerkes und trägt damit zu einer gebündelten Expertise und einer Aufwertung der Erwachsenenbildung in und um Hamburg herum bei.
Europäische Vernetzung
Ein weiteres Beispiel dafür, wie das Programm Erasmus+ dazu beitragen kann, den Aufbau eines Netzwerkes mit internationalen Partnereinrichtungen zu fördern, ist das Projekt der Volkshochschule Ravensburg. Die VHS hat die Städtepartnerschaften Ravensburgs dazu genutzt, auch im Bereich der Bildung mit den Partnerstädten zusammenzuarbeiten. Über ein Mobilitätsprojekt veranstalteten Dozierende der VHS Ravensburg in Kooperation mit einer Partnereinrichtung im walisischen Rhondda Cynon Taff eine „German Week“. Es wurden Schnupperkurse in verschiedenen Sprachen, zu interkultureller Kommunikation und Angebote im Bereich Gesundheit organisiert. Die Volkshochschule plant über Erasmus+ ähnliche Formate in weiteren Partnerstädten.

Weitere Fördermöglichkeiten durch Erasmus+
Die Vernetzung mit anderen europäischen Einrichtungen kann dabei helfen, thematische und methodische Anregungen für die eigene Arbeit zu sammeln und zu einer langfristigen Zusammenarbeit mit europäischen Partnereinrichtungen führen. Gefördert werden in diesem Kontext in der Leitaktion 2 des Erasmus+-Programms auch Projekt-Partnerschaften zwischen verschiedenen europäischen Einrichtungen, die zum Ziel haben, sich thematisch auszutauschen, zusammenzuarbeiten und gemeinsame Produkte zu entwickeln.
Ausführliche Informationen zum Erasmus+-Programm finden Sie auf www.na-bibb.de/erasmus-erwachsenenbildung.
Zur Autorin

Tanja.Moeller@bibb.de